Ein Kangal als Anfängerhund?

Kann man als Hundeanfänger einen Kangal halten?

 

In letzter Zeit bekomme ich diese Frage immer öfter gestellt und daher gibt es nun einen Blogartikel dazu.

Ich schreibe diesen Artikel nicht, weil ich denke, dass ein Kangal „DER PERFEKTE ANFÄNGERHUND“ ist, sondern weil es einfach viele Menschen -wie mich- gibt, die dieser Rasse absolut erlegen sind und sich aber nicht trauen als Hundeanfänger gleich mit einer so anspruchvollen Rasse zu starten.
Fragt man in Internetforen nach, so bekommt man die allgemein gültige Antwort : „Auf keinen Fall. Kangals sind gefährlich, eigensinnig, dominant, schwer zu erziehen und brauchen ein riesiges Grundstück oder eine Schafherde zum bewachen“

Nun ich verrate euch etwas. Ich habe es getan. Ich liebe Hunde schon immer und hatte auch viel mit Hunden von Freunden und bekannten zu tun, aber einen eigenen hatte ich noch nicht. Mein Mann wollte wenn dann auf jedenfall einen Kangal und so habe ich recherchiert was das Zeug hält und war, wie man sich sicher denken kann, von den Aussagen Anderer über die Rasse erst einmal abgeschreckt und verunsichtert.

 

 

Bevor wir einen Welpen kauften:

Bevor wir den Schritt gewagt haben und uns wirklich ernsthaft einen Kangal angeschaut haben, verging ein ganzes Jahr. In dieser Zeit habe ich alle möglichen Hundeprofis, -flüsterer und -trainer studiert und mir Seiten von Kangalzüchtern und haltern angeschaut. Eine der informativsten Seiten, war diese hier http://www.sivas-kangal.de/dkwesen.html

 

Ein Kangal hat gewisse Charackterzüge, die man unbedingt vorher kennen sollte, damit man sich darauf vorbereiten kann.

 

Die 4 größten Vorurteile. Was ist wahr und was nicht?

Das sind meine Erfahrungen:

 

 

Selbstständig

Der Kangal ist kein Arbeitshund, der auf Kommando des Hirten agiert. Seine Aufgabe bestand darin, selbstständig in kleinen Rudeln, die Schafe auf die Weiden zu bringen und sie dort vor Räubern, Bären und Wölfen zu beschützen. Gibt man einem Kangal ein Kommando, wird er erst prüfen ob es für ihn Sinn ergibt oder ob vielleicht etwas anderes gerade interesannter ist. „Kadavergehorsam“ kann man von einem Kangal nicht erwarten, er braucht eine ruhige und bestimmte Hand und will einen Sinn im Kommando sehen. Konsequenz ist ganz wichtig, darf aber niemals mit Härte verwechselt werden, denn obwohl er ein Riese ist, ist er auch sehr sanftmütig und reagiert sehr sensibel auf eine harte Hand des Besitzers. Obwohl er ursprünglich mit den Schafen zusammen gehalten wurde (um sich mit ihnen zu identifizieren und sie als schützenswert anzusehen), kann man einen Kangal aber auch im Haushalt mit Familienanschluss halten. Der Kangal wird seinen Schutztrieb dann aber an den Familienmitgliedern ausleben wollen.

 

 

 

Schutztrieb 

Wie schon erwähnt, hat der Kangal einen hohen Schutztrieb und das Bedürfnis, sein Rudel vor Gefahren zu bewachen. Dementsprechend ist er sehr Aufmerksam ( in der Dämmerung noch extremer) und behält ständig die komplette Gegend im Auge. Der Schutztrieb beschränkt sich aber eher auf seine Rudelmitglieder, als auf das Teritorium. Beim Freigang, wird jede neue Kreuzung erst mal „abgecheckt“, jeder der sich uns nähert auch. Dabei geht unsere Hündin ganz subtil vor. Sie stellt sich vor oder zwischen die Menschen (ohne sie anzuschauen) und wartet auf die Reaktion. Ängstlichen Menschen z.B. darf sie sich nicht nähern (das haben wir ihr antrainiert). Sobald diese sich also weg drehen oder die Hände hoch reisen, ist das für sie das Zeichen dass sie abdrehen soll.
Treffen wir im Freigang auf  Hunde werden diese ebenfalls abgecheckt und wenn sie freundlich sind lässt Mia sie zu uns durch. Sind sie aber sehr dominant oder auch einfach nur zu wild, stellt sie sich zwischen uns und den Hund und schirmt uns ab. Meist reicht das schon und der andere Hund hat verstanden. Dreht der fremde Hund nicht ab, fängt sie an ihn in Kangalmanier anzubellen und stellt den Kamm. Spätestens jetzt sollte der andere Hund reagieren. Tut er dies nicht, muss ich als Besitzer eingreifen und die Situation ruhig und souverän klären. Denn anderenfalls wäre mein Hund dazu gezwungen den nächsten Schritt zu gehen und das wäre dann ein Biss. So kann der Hund auf spielerische Weise lernen beim Freigang seinen Schutztrieb auszuleben und man kann lernen bis zu welchem Schritt man es erlauben darf und ab wann man ihn kontrollieren sollte.

 

 

Dominant
In den meisten Internetforen wird dem Kangal auch oft vorgeworfen sehr dominant zu sein. Dies kann ich nicht bestätigen. Unsere Hündin ist von Anfang an uns gegenüber und Fremden (neutralen und nicht agressiven Hunden) sehr unterwürfig und freundlich gesinnt. Ich denke das Problem mit dominanten Hunden entsteht eher, wenn der Besitzer selbst nicht dominant ist. Versteht mich bitte nicht falsch, mit dominant sein meine ich nicht, dass du ein Ars** deinem Hund gegenüber sein sollst. Aber du musst eine ganz klare Vorstellungen davon haben, welches Verhalten du bei deinem Hund sehen willst und welche Haltung du einfach nicht erlaubst. Du musst ständig in einer für den Hund klaren und verständlichen Körpersprache signalisieren, was du tollerierst und was nicht. Dann musst du noch konsequent genug sein, dass auch täglich durchzusetzten und einzufordern, denn wenn du etwas heute erlaubst, morgen wieder nicht und am nächsten Tag dann doch, nimmt dich dein Hund nicht ernst. Dies hat aber rein gar nichts mit der Rasse an sich zu tun, ( dies ist meine Erfahrung) sondern mit der Haltung und wie man mit einem Tier umgeht.

 

 

Aggressiv

Dies ist wohl das gemeinste Vorurteil, das sich der Kangal und viele andere Rassen auch, gefallen lassen müssen. Betrachten wir es mal ganz logisch: der Kangal sollte in einer Gruppe von 4-8 Hündinnen alleine eine Schafherde bewachen. Wäre er bei der ersten Begegnung mit einem wilden Tier aggressiv, würden sie die Angreifer verfolgen und sie zur strecke bringen wollen. Damit wäre die Herde ohne Schutz vor anderen Angreifern. Der Kangal hat aber die Aufgabe zu vertreiben. Er baut sich vor dem Fremden auf und bellt sein wütendes Kangalgebell, um den Angreifer in die Flucht zu schlagen. Dreht dieser ab, hat der Hund seinen Job erledigt. Nur wenn der Wolf, Bär etc. sich nicht abschrecken lässt und sich der Herde weiter nähert, greift der Kangal an und tötet den Feind. Der Kangal ist bei guter Erziehung nicht agg
ressiv, sondern versucht nur stehts durch Abschreckung den anderen zu vertreiben.

 

 

 

 

Würde ich nun einem Anfänger raten sich so einen Hund zu besorgen?

Nun das hängt davon ab, wie weit du dich bereits informiert hast, ob du den Bedürfnissen dieser Rasse gerecht werden kannst und ob du mit ihrem Temperament umgehen kannst.

 

Solltest auch du mit dem Gedanken spielen, dir einen solchen Hund ins Heim zu holen, dann interessiert dich vielleicht mein nächster Artikel:

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