Nach mehrfachem Wunsch gehe ich nun auf das Thema ein.

Wie man einen überdrehten Hund runter bringt.

 

Ihr habt mich gefragt wie man einen aufregenden Hund entspannt An- und Ableinen kann und da dies nicht in einem Kommentar einfach zu beantworten ist, mach ich euch ein Video daraus.

Wer kennt das nicht?
Dein Hund freut sich so sehr auf den Spaziergang, dass du ihm kaum sein Halsband und seine Leine anlegen kannst?
Oder dreht dein Hund total ab, wenn ihr auf befreundete Hunde trefft mit denen er gerne spielen will?
So sehr es uns ja auch freut wenn der Hund sich freut, so nervig kann aber auch ein allzu überdrehter Hund auf Dauer sein.
Es kann nicht nur nerven, sondern auch richtig gefährlich werden, wenn die Hunde oder ihre Herrchen sich in den Leinen verheddern.

“Der geheime Schlüssel”

Jedes mal, wenn dein Hund aufgedreht ist und danach bekommt auf was er sich so sehr fixiert, bestärkst du sein aktuelles Verhalten.
Ziel ist es, den Hund vor jedem weiteren Schritt, erst wieder auf das gewünschte “Ruhelevel” runterzubringen. So lernt er das er erst bekommt was er möchte, wenn er sich beruhigt hat. Im Video findest du viele Beispiele, wie du in den verschiedensten Situationen deinen Hund beruhigen und dich selbst entspannen kannst.

Wenn dein Hund schon zu Hause sehr aufgedreht ist, beginne mit den Übungen für zu Hause. Erst wenn sich dein Hund zu Hause beruhigen lässt und du es schaffst ruhig und entspannt mit ihm zur Tür hinaus zu kommen, solltest du draußen mit Ablenkung weiter üben. Dies kann für den Hund unterschiedlich schwierig sein.
Je weiter die Distanz zum anderen Hund ist, desto einfacher wird es sein deinen Hund vor dem Ableinen zu beruhigen.
Beginne daher mit hoher Distanz zu Ablenkungen und verringere die Abstände nur langsam und wenn du sicher bist, dass dein Hund schon so weit ist.

Erste Übungen

Nimm ein paar gut riechende Leckerchen in die Hand, schließe sie zu einer Faust und lasse deinen Hund daran riechen.
Erlaube ihm für ein paar Sekunden lang, an deiner Hand zu lecken oder zu schnüffeln.
Dann gibst du ein Abbruchsignal wie z.B.: “Tscht”,”Aus” oder “Pfui”
Sobald dein Hund darauf reagiert und von deiner Hand ablässt, wird er belohnt.
Mache diese Übung mehrmals täglich, mit verschiedenen Arten von Futter oder Spielzeug.

So lernt dein Hund nicht nur was er lassen soll, sondern du zeigst ihm auch gleich welches Verhalten du von ihm wünschst.

Wenn dein Hund auf das Abbruchsignal reagiert, kannst du damit beginnen es beim Anleinen vor dem Spaziergang zu verwenden. (Sollte dein Hund da bereits schon aufgedreht sein)
Wenn ich Mia Anleinen möchte, rufe ich sie zu mir her, lasse sie “Sitz” machen und halte ihr dann das Halsband auf Augenhöhe. In der anderen Hand biete ich ihr ein Leckerlie an, damit sie von alleine durchschlüpft.
Wichtig ist, dass du selbst immer ruhig bleibst und dich nicht von der Unruhe deines Hundes anstecken lässt.

“Puh geschafft” Leine dran? Dann steigt beim Hund die aufregung bestimmt schnell wieder an.
Bester Zeitpunkt um die Leine gerade wieder Abzulegen. Warum? Nun je öfter du deinem Hund die Leine An- und Ausziehst ohne dass gleich die totale Aktion abgeht, desto weniger wird er das An- und Ableinen mit Aktion verbinden.

Genauso funktioniert das auch beim zur Haustüre rein- und rausgehen.

 

entspannt Ableinen

Beginne auf kleinen, übersichtlichen Flächen ohne viel Ablenkung. Lasse deinen Hund “Sitz” machen und Leine ihn ab.
(Ich persönlich habe Mia beigebracht ein Kommando so lange durchzuführen, bis ich es mit “OK” auflöse. Daher hat sie schon gelernt, dass Ableinen nicht gleich bedeutet, dass sie los laufen darf. Wie du das trainierst siehst du in meinem Video “Grundkommando Nr.3 Bleib beibringen)
Nach dem Ableinen machst du ein für den Hund interesanntes Geräusch, sodass er dich anschaut (alternativ kannst du auch den Blickkontakt auf Kommando beibringen so wie ich es mache, dazu gibt es in kürze auch ein Video).
Sobald dein Hund Blickkontakt mit dir aufnimmt, belohnst du ihn sofort, indem du ihn freigibst.
Wichtig: Hast du deinen Hund freigegeben, ist dies die Belohnung für das von dir gewünschte ruhige Verhalten. Lasse ihn also auch nach Möglichkeit erst einmal seinen “Geschäften” nachgehen und rufe ihn nicht gleich wieder ab.

Funktioniert diese Übung ohne Ablenkung, kannst du damit beginnen dich mit Freunden zu treffen und mit andere Hunden zu üben. Warum ist es gut sich mit befreundeten Haltern zu verabreden?
Ganz einfach. Wenn du dich mit jemandem verabredest, weisst du dass du deinen Hund bei gutem Verhalten auch belohnen kannst indem du ihm erlaubst, den anderen Hund zu begrüßen.
Bei fremden Passanten weiß man vorher nie, ob diese Hundekontakt wünschen oder nicht.
Gerade wenn dein Hund am Anfang dieser Übung ist, kann er die fehlende Freigabe als Strafe empfinden und dies würde sich negativ auf den Trainingserfolg auswirken.

Wähle die Distanz so, dass dein Hund sich zwar für den anderen Hund interessiert, sich aber noch von dir ablenken und ins “Sitz” schicken lässt.
Gerade wenn du ihm nach gutem Verhalten erlauben kannst, einen Hundefreund zu besuchen macht das die Belohnung viel besser als jedes Leckerlie.

“Mein Hund ignoriert mich”

Wenn dein Hund dich ignoriert und die Ablenkung interessanter ist als du, hast du verschiedene Optionen:

  • Distanz erhöhen, entferne dich (wenn mögich) soweit vom anderen Hund, bis du wieder die Aufmerksamkeit deines Hundes auf dich lenken kannst und beginne die Übung erneut.
  • Stehen bleiben. Kannst du die Distanz nicht erhöhen, so ist es sinnvoll einfach stehen zu bleiben und zu warten.
    Kommt der Hund nicht von alleine drauf kannst versuchen ihn anzusprechen und den Blickkontakt zu bekommen.
  • Ich persönlich finde es sehr sinnvoll, dem Hund an der Leine (zumindest an kurzer Leine) keinen Hundekontakt zu gestatten. Hat er sich an diese Regel erst einmal gewöhnt, gibt es für ihn zum einen, einen Grund weniger an der Leine zu ziehen und gleichzeitig einen Grund mehr, das gewünschte Verhalten zu zeigen, denn es wird somit für den Hund zur einzigen Möglichkeit das zu bekommen was er gerne möchte.

Geduldsübungen für Fortgeschrittene

 

  • Verlängere die Zeit, bis du deinen Hund freigibst.
  • Lasse deinen Hund warten während ein anderer schon frei laufen darf.
  • Lasse deinen Hund warten während Hunde vor ihm spielen.
  • Lasse deinen Hund zuschauen wie du Leckerchen, etwas entfernt von ihm auf dem Boden verteilst. Erst auf Kommando darf er sie suchen gehen.
  • Mache diese Suchspiele mit mehreren Hunden gleichzeitig. (hoher Schwierigkeistgrad)

 

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